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Weshalb Führung kein Beliebtheitswettbewerb ist, sondern ein Verantwortungstest Wir leben in einer Zeit, in der Zustimmung schnell verfügbar ist. Likes, Applaus und freundliche Signale sind sofort da, oft früher als Ergebnisse. Wer beliebt ist, gilt als erfolgreich. Wer Entscheidungen trifft, die Konsequenzen haben, wird schnell als „zu hart“ gelesen. Gerade an diesem Punkt beginnt aber Führung überhaupt erst. Führung zeigt sich nicht in Momenten, in denen alle nicken. Sie zeigt sich, wenn jemand bereit ist, Spannungen auszuhalten, um damit ein größeres Ziel zu verfolgen. Es geht um den Raum zwischen dem, was sich angenehm anfühlt, und dem, was für die Zukunft des Unternehmens notwendig ist. Entscheidungen, die niemanden berühren, bewegen selten etwas und lösen auch keine strukturellen Herausforderungen. Unbequeme Entscheidungen sind es oft, die langfristigen Erfolg sichern. In Transformationsphasen wird das besonders sichtbar. Kosten müssen sinken, Prioritäten müssen neu sortiert werden, Geschäftsmodelle brauchen Schärfe. Alle wissen, dass nicht jede Rolle, jedes Projekt oder jede vertraute Arbeitsweise bleiben wird. Gleichzeitig erwarten Teams Sicherheit, Nähe und Orientierung. Genau hier geraten viele Führungskräfte in einen inneren Konflikt, weil sie zwischen gefallen wollen und führen, zwischen Dazugehören und Kurs halten pendeln. Führung bedeutet aber auch hier, Entscheidungen so zu treffen, dass das Unternehmen in fünf Jahren noch stabil steht und wachsen kann. Es bedeutet, Maßnahmen transparent zu begründen, Verantwortung zu übernehmen und dabei zu bleiben, auch wenn der erste Gegenwind kommt. Das hat nichts mit Härte um der Härte willen zu tun. Es hat mit Klarheit zu tun. Die Reihenfolge ist eindeutig. Erst kommt die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Danach folgt Fairness in der Umsetzung. Und erst dann stellt sich die Frage, ob jede Entscheidung allen gefällt. In unsicheren Zeiten ist das anspruchsvoll. Es ist bequemer, Erwartungen zu spiegeln, statt sie zu korrigieren. Es ist leichter, Konflikte zu verschieben, statt sie sauber auszutragen. Aber diese Haltung stärkt keine Organisation. Sie verzögert nur das, was später umso härter nachgeholt werden muss. Stabilität entsteht durch Führung, die heute Verantwortung übernimmt, obwohl die Wirkung erst morgen sichtbar wird. Am Ende lässt sich Führung nicht an Stimmungslagen messen, sondern daran, ob Entscheidungen das Unternehmen langfristig stärker, klarer und belastbarer gemacht haben. Ob Führung dafür sorgt, dass es im Großen und Ganzen dem Unternehmen und allen die dabei sind besser geht, oder eben nicht. Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe unserer Zeit, Führung wieder als Verantwortung für das Ganze zu begreifen und nicht als Wettbewerb um Zustimmung. Und die Fähigkeit, Spannungen auszuhalten. Welche Entscheidung in eurem Umfeld war im ersten Moment unpopulär und hat sich später als richtig erwiesen?